In der Paramentenwerkstatt der Pfeifferschen Stiftungen in Magdeburg entstanden zwischen 1949 und 1999 kunstvoll gestickte und gewebte Textilien für den Kirchenraum – Paramente. Sie zieren Altäre, Kanzeln, Lesepulte, Taufsteine oder auch großformatig Kirchenwände in Deutschland und einigen europäischen Ländern. Geleitet von den Diakonissen Charlotte Thiel und Rosemarie Bohling wurden in dieser Zeit über 2.000 textile Kunstwerke geschaffen. Schwester Rosemarie versuchte bis ins hohe Alter, die Restbestände der Paramentenwerkstatt beieinander zu halten. Als sie Ende 2025 starb, stand die Frage: was wird aus dem Nachlass?
Mit Unterstützung der Kirchlichen Stiftung Kunst- und Kulturgut sowie der Pfeifferschen Stiftungen arbeitete eine Gruppe von 9 Ehrenamtlichen die hinterlassenen Dokumente, Textilen und kalligrafischen Arbeiten auf. Dazu wurde zusammengetragen, was sich auf dem Gelände von „Pfeiffers“ finden ließ, und digital dokumentiert. Engagiert haben sich dafür die ehemaligen Paramentik-Schülerinnen Gudrun Willenbockel, Sabine Bretschneider, Friedgard Biastoch und Monika Rausch. Weiter gehörten zur Arbeitsgruppe: Christa von Seggern, Ina Fredriksdotter, Gundula Rahn und Christian Rausch. Die AG wurde geleitet von Christoph Hackbeil, dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der KSKK.
Am 18.Juni 2026 konnte die AG „Paramentik“ nach sieben Arbeitstreffen das Ergebnis präsentieren. Unter Leitung der Vorständin der Pfeifferschen Stiftungen, Frau Ulrike Petermann, diskutierten Frau Christina Neuß M.A. (Archiv und Bibliothek der EKM), Frau Dr. Barbara Pregla (Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt) und Frau Andrea Knüpfer (Textilrestauratorin) das Ergebnis. Als Vertreter der KSKK nahmen Nikola Falkenberg (Vorstand) und Cornelius Hackbeil (Geschäftsführer) teil.
Beachtung fand die hohe Qualität der Arbeiten, die gute Dokumentation des ganzen Entstehungsprozesses und die erstaunlichen Ausbildungsstandards. Alle Werke für Kirchenräume entstanden nach intensiver Beratung mit den Gemeinden vor Ort und waren damit Unikate, für deren Herstellung Naturmaterialien verwendet wurden. Gleichzeitig geben sie einen Einblick in die Geschichte der Textilkunst im 20. Jahrhundert. Gesucht wurde nach Ideen für eine sachgemäße Archivierung sowie für spätere Präsentationen in der Öffentlichkeit.
Dem Fachgespräch hatte Propst i.R. Christoph Hackbeil ein Zitat vorangestellt, das die geistliche Haltung hinter den gezeigten Arbeiten beschreibt: „Zur Paramentik braucht man ein Herz, das dem kommenden Herrn entgegenschlägt.“ Sie war für die Diakonissen und Lehrlinge der Werkstatt mehr als nur Anfertigung schöner Textilien, sondern diente der Öffnung für die biblische Botschaft.
Möchten Sie die besonderen Arbeiten aus der Paramentenwerkstatt der Pfeifferschen Stiftungen einmal selbst entdecken? Dann besuchen Sie unseren:
Tag der offenen Tür zur Paramentenwerkstatt
Datum: Freitag, 04. September 2026
Uhrzeit: 10:00- 16:00 Uhr
Ort: 1. Obergeschoss des Diakonissen-Mutterhaus der Pfeifferschen Stiftungen (Haus 11)
Adresse: Pfeifferstrasse 10, 39114 Magdeburg-Cracau
